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Zuflucht geben - gemeinsam hoffen

5.8.2026

Bemerkenswerte Wanderausstellung in der Wiesenkirche zum Thema „Kirchenasyl“

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Wiesenkirche frei zugänglich.

Soest. Vom Noch bis zum 30. August ist in der St. Maria zur Wiese (Wiesenkirche) in Soest die Wanderausstellung „Zuflucht geben – gemeinsam hoffen“ zu sehen. Die Ausstellung lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich mit den Schicksalen geflüchteter Menschen auseinanderzusetzen und einen Einblick in die Praxis des Kirchenasyls zu gewinnen.

 

Im Mittelpunkt stehen Menschen, die vor Krieg, Verfolgung oder existenzieller Bedrohung geflohen sind und zeitweise Schutz im Kirchenasyl gefunden haben. Neun großformatige Porträts erzählen ihre persönlichen Geschichten: von Flucht, Angst und Entrechtung, aber auch von Hoffnung, Solidarität und dem Mut, trotz aller Erfahrungen einen Neuanfang zu wagen.

 

Ergänzt wird die Ausstellung durch weitere Informationstafeln, die die rechtlichen Hintergründe des Kirchenasyls erläutern und Menschen zu Wort kommen lassen, die sich seit Jahren in der Kirchenasylarbeit engagieren.

 

Kirchenasyl ist kein Ersatz für das Asylrecht und kein politischer Protest um seiner selbst willen. Es ist ein humanitäres Instrument, das Kirchengemeinden in besonders gelagerten Härtefällen anwenden, wenn alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und einer Abschiebung oder Rücküberstellung erhebliche Gefahren für Leib und Leben drohen. Ziel ist es, Zeit für eine erneute sorgfältige Prüfung der individuellen Situation zu gewinnen.

 

Wie wichtig dieses Engagement ist, zeigt die Arbeit im Evangelischen Kirchenkreis Soest-Arnsberg. Seit 2018 begleitet Elisabeth Patzsch, die Synodalbeauftragte für Flüchtlingsarbeit, die Kirchenasylarbeit im Kirchenkreis. In den vergangenen acht Jahren konnten dort mehr als 250 Kirchenasyle durchgeführt und über 300 Menschen vor einer Abschiebung bewahrt werden.

 

Hinter diesen Zahlen stehen bewegende Lebensgeschichten. Familien mit kleinen Kindern, Menschen mit schweren gesundheitlichen Belastungen oder Geflüchtete, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden, fanden im Kirchenasyl Schutz. Viele sollten aufgrund der Dublin-Verordnung in europäische Staaten zurückgeschickt werden, in denen ihnen Obdachlosigkeit, Gewalt oder menschenunwürdige Lebensbedingungen drohten.

 

Kirchenasyl bedeutet dabei weit mehr als die Bereitstellung eines sicheren Ortes. Es ist intensive Beziehungsarbeit. Ehrenamtliche begleiten die Menschen im Alltag, unterstützen sie beim Spracherwerb, beim Ankommen und dabei, wieder Vertrauen zu fassen.

 

Aus Fremden werden Nachbarn, aus Begegnungen entstehen Freundschaften. Die meisten ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner eines Kirchenasyls konnten nach einer erneuten Prüfung ihres Falls in das reguläre Asylverfahren aufgenommen werden und leben heute mit einer realen Bleibeperspektive in Deutschland.

 

Dieses Engagement verlangt den beteiligten Kirchengemeinden viel ab – menschlich, organisatorisch und finanziell. Menschen im Kirchenasyl erhalten keine staatlichen Leistungen; Unterkunft, Lebensmittel, medizinische Versorgung und notwendige Rechtsberatung werden aus Spenden und kirchlichen Mitteln getragen. Allein der Kirchenkreis Soest-Arnsberg hat seit 2019 mehr als 200.000 Euro für die Unterstützung der Kirchenasylarbeit bereitgestellt.

 

Gerade in einer Zeit, in der die gesellschaftliche Debatte über Flucht und Migration zunehmend polarisiert geführt wird und das Kirchenasyl selbst politisch unter Druck gerät, möchte die Ausstellung Raum für Information, Begegnung und Nachdenken schaffen. Sie lädt dazu ein, hinter Schlagworte zu schauen und die Perspektive der betroffenen Menschen kennenzulernen.

Hintergrund

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Wiesenkirche frei zugänglich. Interessierte sind herzlich eingeladen, die Portraits und Geschichten auf sich wirken zu lassen und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was christliche Verantwortung und gelebte Nächstenliebe heute bedeuten können.

Die Ausstellung wird unterstützt von den Christians & Churches for Future im Raum Soest. Vertiefende Informationen zur Ausstellung finden sich unter https://cc4f-soest.org/wanderausstellung-zum-kirchenasyl-so/  sowie auf der Internetseite des Netzwerks Kirchenasyl NRW unter https://www.kirchenasyl-nrw.de/wanderausstellung.

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