Alter Geist durchweht neue Mauern

Erstellt am 15.05.2020

Pfarrer Martin Vogt von der evangelischen Kirchengemeinde Sundern vor seinem neuen, fast fertigen Wirkungsort – der Lukaskirche Sundern. Fotos: Frank Albrecht

Der Gottesdienstraum der neuen Lukaskirche ist am höchsten und wird das Herzstück der neuen Kirche der Protestanten.

SUNDERN - Der Neubau einer Evangelischen Kirche ist schon etwas Besonderes: In ganz Westfalen – weiß Pfarrer Martin Vogt von der Gemeinde in Sundern – passiert das nur noch einmal an anderer Stelle. Eher ist die Entwidmung nicht mehr genutzter Kirchen ein Thema.

Das künftige Gotteshaus für die rund 3.700 Mitglieder der Gemeinde ist aber auf einem guten Weg. Wer heute auf der Hauptstraße Sundern an der Kirche vorbeifährt, sieht das schon fertige Gebäude. Die Lukaskirche zeigt sich in ihrer ganzen Pracht; soll das Gebäude doch schon in wenigen Wochen zu einem neuen Gemeindezentrum in Sundern werden. Dafür werden in den Bau aus verschiedenen Töpfen rund 1,75 Millionen Euro investiert.

Ende September des letzten Jahres saßen die Gäste zur feierlichen Grundsteinlegung für die neue Lukaskirche bei schönstem Wetter noch unter freiem Himmel. Während des von Pfarrer Martin Vogt gehaltenen Gottesdienstes erlaubten Bodenplatte und erste Außenwände eine vage Vorstellung vom künftigen Gotteshaus. Jetzt ist man schon sehr viel weiter. „Der Fliesenleger ist bestellt, und die Außenanlagen werden jetzt nach und nach auf den Weg gebracht“, erklärt Vogt, der sich schon sehr auf seinen neuen Wirkungsort freut.

Zu Ende Juni ist die Fertigstellung geplant und es ist gut möglich, dass das Bauprojekt im Zeitplan bleibt. Trotz der Einschränkungen durch das Corona-Virus ist auch in den letzten Tagen und Wochen regelmäßig an der Kirche gebaut worden. Nur bei einem Teil der speziellen Fenster gebe es gerade einen Lieferengpass. Doch das kann den Pfarrer gerade auch nicht aus der Ruhe bringen. „Ich bin wirklich froh, dass wir trotz der letzten schwierigen Wochen im Zeitplan soweit gekommen sind“, sagt Martin Vogt. Eile hat man nicht, weil die Katholische Gemeinde schon seit Monaten ihre Kirchen für Gottesdienste der evangelischen Glaubensbrüder zur Verfügung stellt. Die Ökumene funktioniert.

Martin Vogt wohnt direkt neben der Kirche, die fast genau dort gebaut wird, wo das alte Gotteshaus der Protestanten stand. Nach 70 Jahren war die 1950 eingeweihte, alte Lukaskirche abgerissen worden. Von dem alten Kirchengebäude ist sein Geist geblieben - und der Glockenturm auch. „Es hat eine neue Ummantelung für das Betonbauwerk gegeben“, beschreibt Pfarrer Vogt beim Rundgang. Innendrin soll bald wieder die alte Glocke läuten, ein Stück, das die Sunderner Gemeinde von einer alten Kirche aus Bielefeld erwerben konnte. So wie der Turm sind auch die anderen massiven Mauern der neuen Kirche mit Holz verkleidet und geben ein einheitliches Bild ab.

Im Innern der Kirche hat der Gottesdienstraum die höchsten Wände bekommen. Der Estrich ist in der ganzen Kirche schon verlegt, und dort, wo Altar, Kreuz und Kanzel später ihren Platz finden, werden auch die 110 Stühle für die Besucher der Gottesdienste und Andachten stehen. „Wir suchen gerade mit Mustern die passenden Stücke aus“, so Vogt. Insgesamt will man bis zu 300 Stühle anschaffen, die bei großen Veranstaltungen gestellt werden können.

Dahinter verbirgt sich auch die Idee eines besonders flexiblen Gebäudes, das die Kirche zu einem echten Gemeindezentrum machen kann. Gottesdienstraum und Foyer sind durch Schiebewände abzutrennen und ermöglichen diese flexible Nutzung. Dazu kommen einige Räume, die für den Gebrauch des künftigen evangelischen Zentrums in Sundern einfach nur sinnvoll und schön sind.

„Wir haben Wert darauf gelegt, möglichst allen Gruppen der Gemeinde einen Platz im Haus zu geben“, sagt Pfarrer Vogt. Einen besonders großen Platz im hinteren Bereich bekommt die Jugend. Ob für die Kinderkirche, den Konfirmanden- oder Katechumenen-Unterricht oder nur das Treffen mit Freunden, die Jugend hat auch einen eigenen Eingang über die Terrasse.

Die Sanitäranlagen sind natürlich barrierefrei geplant, und auch das Gemeindebüro kann aus dem Pfarrhaus umziehen. Modern gestaltet ist schon jetzt die neue Küche des Zentrums und mit offener Durchreiche praktisch zu nutzen. Alle Bereiche der Gemeinde sollen sich künftig auch in der neuen Lukas-Kirche wieder finden.

Hunderte von Spendenbriefen sind schon im März an die Mitglieder der Gemeinde in Sundern verschickt worden. Und unter dem Motto „Unsere neue Lukaskirche“ hofft der Kirchenvorstand weiter auf wohlwollende Unterstützung. „Die Qualität der Ausstattung im Haus ist variabel und hängt auch von der Unterstützung ab“, sagt der Pfarrer.

Je nach Spendenaufkommen werden die so genannten Prinzipalstücke wie der Altar entsprechend ausgewählt. Die Planung des Hauses ist in großem Einvernehmen innerhalb der Gemeinde erfolgt, die Kirche kommt schon jetzt gut an. Bereits rund 8.000 Euro an Spenden seien schon zusammengekommen. „Man merkt die Unterstützung“, freut sich der Geistliche. Gespendet werden kann für Kunst- und Kulturgüter, Innenausstattung oder Außenanlagen.

Freuen kann sich Pfarrer Vogt schon auf den Außenbereich nach hinten heraus. Zur Röhr hin gibt es viel Ruhe und eine große Terrasse. Auf der sollen im Sommer die Gruppenstunden und Gemeindetreffen stattfinden können. Vorne hat man neben einem mit Steinen gelegten Eingangsbereich auch die Anpflanzung von viel Grün vorgesehen. Wenn alles fertig ist und die gesundheitliche Situation im Land es erlaubt wir ein schöne Einweihung gefeiert.